Marie Theres Kroetz Relin Bayrisches Rindvieh Ich gehe mit meinen drei Kindern ins Kino. Chicken Run. Handelt von Hühnern die in die Freiheit gelangen wollen und es auch schaffen. Ein Kultfilm. Meine Kinder sind begeistert und nach dem Film steht fest: NIE MEHR WIEDER WERDEN WIR EIN HÄHNCHEN ESSEN! Spätestens beim Wiesenbesuch ist der Vorsatz eh schnell wieder vergessen. Ich kenne das Gefühl, nie wieder Fleisch zu essen gut, damals in Indien als ich meine erste Begegnung mit der heiligen Kuh hatte. Es war einfach unglaublich schön wie sich diese Rindviecher, inmitten dieser Masse von schönen, in bunten Tüchern gekleideten, asiatischen Menschen, souverän bewegten! Sie wussten, "wir sind heilig“, trotteten auf der Straße, legten sich dort auch nieder, kauten, wenn auch nicht auf Heu, auf dem liegen gebliebenen Müll herum und genossen es sichtlich, dass all die Rikschas und Autos einen weiten Bogen um sie machten. Aber hier im Chiemgau ist Indien fern. Hier regiert das Jesulein und dem sein Fleisch essen wir ja schließlich auch, zu mindestens am Sonntag, ausgenommen der Karfreitag. Und die Kuh ist eben nicht heilig. Ich liege im Bett und überlege was wir morgen essen können. Rotweinbrasato oder einen Sauerbraten vielleicht. Allerdings wenn die Grippe der Kinder nicht besser wird, sollte ich eine schöne Rindsuppe machen oder einen Tafelspitz, eine Ochsenschwanzsuppe würde auch gehen... Oder doch Rindsrouladen? Zwiebelrostbraten? Oder ... Mein Kopf dreht sich und mir fällt ein, dass ich nichts zu Abend gegessen hab. Unter dem rhythmischen Brummen meines Magens stell ich mir die Amis ohne Beef- und T- Bonsteak, Mac Donalds ohne Hackfleisch, die Engländer ohne ihr Roastbeef vor... Und irgendwann lande ich bei der Frage: Was ist eigentlich Rindfleisch? Nun gut, Ochsenfleisch ist Ochsenfleisch und das mit dem Kalb kapiere ich auch noch... Aber Rindfleisch?? Essen wir womöglich ausschließlich weibliche Tiere? Das würde ja wieder einmal wunderbar in unsere Gesellschaft passen: Die Kuh die kalbt, sich abrackert Milch zu geben, fressen wir anschließend auf.... Gott sei Dank, schlafe ich irgendwann ein und vergesse meinen knurrenden Magen. Doch die Frage bleibt: WAS IST RINDFLEISCH? Man kann doch nicht so blöd sterben, ohne zu wissen was Rindfleisch ist! Das muss ich heraus bekommen... Ich fahre also zu "meiner“ Metzgerin. Ach Scheiße, heute ist Feiertag, der Laden ist zu... Na gut. Was nun ? Mit der Milchkanne bewaffnet trotte ich den Feldweg zu meiner Nachbarin hinüber... Fortschrittliche Jungbauern, mit Freilaufstall und Melkstand.... "Griaß di“ ruf ich meiner Freundin Hildegard entgegen. "Griaß di ! Mei, mei Kua hot ma grad an Kreislaufkollaps ghobt! I hob ihra aba glei homöopathisch a Opium C 200 gebn und etza gehts ihra wieda bessa!“ sagt sie erleichtert. Ich schaue Hildegard fast unwirklich an. Ich will sie doch übers Rindfleisch befragen und kann mir gar nicht vorstellen, dass jemand, der seine Tiere liebevoll homöopathisch behandelt, sie anschließend zum Metzger schickt... "Du, I muaß di wos fragen“, beginne ich zögernd und schieße in hochdeutsch hinterher, "Was ist eigentlich Rindfleisch?“ Pause und holpernd weiter " Is des oiwei a Kua, du woast scho, immer weiblich oder so...?” "Naaa. Aba do hoi i lieba moi den Karle. Der kennt sie da bessa aus. Karle..“ ruft sie " du Karle geh her do. Du sag amoi da Marie Theres wos a Rindfleisch is... "Griaß di“ sagt Karl und fügt schnell hinzu "Du, a Rindfleisch is a Bullenfleisch.“ "Aha“ sag ich und denke mit Befriedigung, dass wenigstens beim Verzehr eine gewisse Gleichberechtigung herrscht. "Aba a junge Milchkuh is a a Rindfleisch. Und eine alte Milchkuh ..“ wirft Hildegard ein und extra für mich auf hochdeutsch, "wird hauptsächlich als Wurst verarbeitet.“ "Und was ist mit dem Ochsenfleisch? frag ich weiter. "Des Ochsenfleisch is a a Rindfleisch“, erklärt mir Karle weiter " Nur is es a Ochs, weil er ja kastriert wordn is und deshalb wachst er langsama und des muaß beim Metzger extra ausgwiesen wern, weil des Fleisch andasda schmeckt.“ "Ach so“, ich nicke. Bin schon etwas verwirrt. Es entsteht eine Pause. "Und a Jungrind“, fängt Hildegard wieder an " des is a Kua die noch kein Kalb gekalbt hot, vastehst? Ich nicke. Bayrisch kommt mir sowieso nicht mehr über die Lippen. Karle merkt das und erklärt mir nun ganz langsam, "Ein Kalb wird ausschließlich mit Milch gefüttert, deshalb ist das Fleisch auch rosa und das Rind bekommt normales Futter und deswegen wird das Fleisch rot .“ Das leuchtet mir ein und frage " Aber wann wird denn nun so ein Stier oder Bulle geschlachtet?” "Mit knapp zwei Jahren“ erklärt mir Karle. "Na“, widerspricht Hildegard energisch, " mit 18 Monat, werdns gschlacht!“ Wir fressen also Kinder oder Teenies, einfach so und das täglich. Schrecklicher Gedanke. "Und des Fleisch einer Milchkuh des wird je nach Alter und wie viele Kälber sie gehabt hat, eingestuft. Also a Kua mit zwoa Kälbern kon no a guats Rindfleisch sein“, ergänzt Hildegard. "Na, Gott sei dank“, denk ich mir " dann hat sie wenigstens zweimal den Mutterfreuden entgegensehen dürfen, auch wenn der Genuss des Geschlechtsverkehrs nur in Form einer künstlichen Befruchtung statt gefunden hat.“ "Wichtig is aba no der Metzger " erklärt mir Karle, " denn des Fleisch muaß guat abghängt sei, mindestens zwoa Wocha. Sonst schmeckts net und is zach. Und deshalb is des Fleisch, wos aus dem Ausland kimmt so guat, net weil die Ausländer so a guats Fleisch haben, sondern weil das im Kühllastwagen, von einem EU-Land ins andere gefahren wird. Und bis es endlich beim Verbraucher okimmt, is dann butterweich.“ "Und billig“, sagt Hildegard. "Und BSE verseucht“, denk ich, spar mir aber denn schlechten Witz und sag etwas verwirrt " Tja, jetzt bin i gscheider. Herzlichen Dank. Könnt I no a Milli hobn?” Wir verabschieden uns mit einem "Pfüat di“ und ich schau den zweien nach, wie sie zu ihrer Arbeit in den Melkstand zurückkehren. Dann mach ich mich auf den Heimweg, mit der nun schweren Milchkanne und während meine Gedanken noch in meinem Kopf herumflattern, sagt mir mein Magen, klar und deutlich: "Heute gibt es gebackene Auberginenschnitzel mit pikanter Tomatensauce. Und Morgen sehen wir dann weiter.“ und mein Hirn sagt zu meiner Unwissenheit einer Köchin, klar und deutlich: " Mei, bist Du a boarisches Rindvieh!“ Gebackene Auberginenschnitzel mit Tomatensauce Für 5 Personen : 1 Dose Tomaten (425 g EW ) 1 2 Sardellenfilets ( in Öl eingelegt) 1 El Olivenöl 2- 3 Knoblauchzehen 1 Bund Petersilie 1 Bund Basilikum Salz, Pfeffer aus der Mühle Cayennepfeffer oder ein Pimento 1 Stange Toastbrot (Rinde wegschneiden oder ohne Rinde kaufen) 1 kg feste Auberginen ( ca. 4 Stück) 1/2 Liter Milch 2 Eier 3 El Parmesan (frisch gerieben) 60 70 g Butterschmalz Limetten oder Zitronenachtel Tomaten ohne Saft durch ein Sieb streichen. Klein gehackte Sardellen und Olivenöl zufügen, alles mit dem Mixer oder mit dem Schneidestab pürieren. Knoblauch pellen, in das Püree pressen. Petersilien- und Basilikumblätter fein hacken, zum Püree geben. Sauce mit Salz, Pfeffer und Cayenne oder Pimento würzen, abschmecken und kalt stellen. Toastbrot entrinden und zwischen den Handflächen zerkrümeln (bitte davor Hände waschen! J und nicht ganz frisches Toastbrot verwenden, sonst lässt es sich nicht so gut krümeln) Auberginen putzen, schälen und längs in 1/2 cm dicke Scheiben schneiden. Milch mit einer Prise Salz zum Kochen bringen, Auberginenscheiben darin Portionsweise 2- 3 Minuten garen (so geht der bittere Geschmack raus), abtropfen lassen und trocken tupfen. Eier mit Parmesan Salz und Pfeffer verquirlen. Auberginenscheiben darin wenden, in die Brotkrumen drücken, in heißem Butterschmalz von beiden Seiten goldbraun braten. Heiß mit Limettenachteln und mit der Tomatensauce servieren. Dieses Rezept ist ein wunderbarer "Fleischersatz“ und schmeckt so gut, dass ich meine Kids damit regelmäßig austricksen kann. Kurz: Sie merken nicht, dass sie Gemüse essen *haha*!! |
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