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Brigitte Hieronimus

Wildwuchs im Weiberherz


Und dafür habe ich mir die Haare weg rasiert? Welcher saublöden Idee bin ich denn da wieder aufgesessen? Missmutig steige ich Peter hinterher. Immer zwei Schritte hinter ihm. Sein fleischiger Rücken wird von einem riesengroßen Rucksack verdeckt, ich sehe nur behaarte Bergsteigerwaden und seinen kahler werdenden Hinterkopf. Fast könnte ich kichern, wenn mir danach wäre. Peter hat mich jetzt das letzte Mal versetzt. Gestern Nacht schwor ich mir, ihm die Hölle auf Erden zu bereiten, wenn ich ihn wieder sehe.
Da lag ich um 21.00 im Hotelbett, frisch gebadet, statt frisch gevögelt, glatt rasiert an allen nur erdenklichen Stellen, aalte ich mich schon in der Vorstellung, dass er in einer Stunde da sein würde. Und dann sein Anruf: "Mausi, nicht böse sein, ich kann erst morgen früh da sein, meine Mutter macht Zicken, wir haben schon wieder den Notarzt rufen müssen." "Wir?", schrie ich ihn an, "du meinst, wohl, das Muttersöhnchen Peter!", und schlug den Hörer auf den Apparat. Wie oft hat Mutter schon versucht, ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen, mit ihren Angina Pectoris Anfällen, die immer dann kamen, wenn er etwas Eigenständiges unternehmen wollte. Kein Wunder, dass es "Enge des Herzens" heißt. Diese Frau hat keinen Platz in ihrem Herzen. Für nichts und niemanden. Alles muss sich um sie und ihre miese Befindlichkeit drehen. Und dieser Waschlappen rennt ihr mit seiner kleinen Jungen Liebe immer noch hinterher. Wie blind ist er eigentlich, dass er Mutters Manöver nicht durchschaut? Rumpelstilzchens Wut überkam mich und ich wusste nicht wohin mit mir. An Schlaf war nicht zu denken.
Peter dreht sich nach mir um. "Mausi, geht’s dir auch gut? Du bist so still?", und lächelt dabei so zärtlich, dass ich meine Wut am liebsten einpacken möchte. Nur jetzt nicht schwach werden. "Lass mich in Ruh!", funkle ich ihn an. "Ach, komm, Mausi, vermies uns doch nicht die paar Tage Urlaub", bittet er, "schau, ich kenn da eine verschwiegene Stelle, da ließe es sich gut jausen, ich hab eine Tortilla dabei, hab sie gestern noch schnell für uns gemacht, es ist nicht mehr weit, komm schon, sei wieder lieb...", bettelt er mit zuckersüßem Augenaufschlag.
Am liebsten würde ich ihn den Berg hinunter rollen lassen, diesen Weichling, damit er sich Ecken und Kanten holt. Noch nicht mal ordentlich streiten kann man mit ihm. Auge in Auge stehe ich ihm jetzt gegenüber. Der Weg ist schmal und steil. "Lass mich vorbei!"; wüte ich ihn an. Er macht Platz und ich übernehme die Führung.
Nach fünf Minuten lege ich meinen Rucksack ab und ziehe mein Shirt aus. "Was, soll das Mausi?". Ohne zu antworten, gehe ich weiter. Ich entledige mich des Bhs und werfe ihn Peter vor die Füße. "Mausi, bist du verrückt, wenn dich jemand sieht!" Ich ziehe mir die Hose runter und den Slip gleich dazu, mein Unterleib klopft heimtückisch. "Du nimmst mich jetzt auf der Stelle, sonst schmeiße ich dich den Berg runter!", schreie ich so laut, dass es bis hinunter ins Tal zu hören sein müsste. Peter zuckt zusammen. "Um Gottes Willen, schrei doch nicht so, wenn dich jemand hört", fleht er. "Du treibst es jetzt, und zwar sofort!", befehle ich mit leiser Stimme und spüre, wie sich mein Venushügel bläht. "Setz dich da auf den Stein!", und deute auf den Felsvorsprung. "Zieh dich aus!" Gehorsam legt er den Rucksack ab. "Das ist nicht dein Ernst", schüttelt der den Kopf, auf dem sich eine Dornenkrone aus Schweißperlen gebildet hat. Langsam bewege ich mich auf ihn zu, und schaue hinunter ins Tal. "Du wirst dir ne Menge Schrammen holen, wenn du nicht tust, was sage" Gnadenlos brennt die Mittagssonne auf uns herunter. Splitternackt sitzt er auf dem Stein und starrt auf meine wippenden Brüste. Ich spreize meine Beine und hocke mich auf ihn. "Du mieses Schwein....". flüstere ich in sein Ohr, während mich eine Lawine nach der anderen überrollt.
Wir sind angekommen. Peter bleibt keuchend stehen und entledigt sich seines Rucksacks, holt eine karierte Decke heraus, Plastikteller und Plastikbesteck, mehrere Tupperdosen und eine Flasche Rotwein. Unsicher zieht er mich an sich. Sein Hemd ist verschwitzt und sein Atem riecht sauer. Nur seine Augen sind blau wie immer. Und wieder habe ich meine Wut verschluckt.


Tortilla mit Allem was dazu gehört

eine Handvoll kalte Pellkartoffeln
eine Handvoll gehackte Petersilie und Schnittlauch
frischer Knoblauch (nach Geschmack)
Zwiebeln und Schinkenwürfel( gehackt)
Salz, Pfeffer, Muskatnuss, getrocknete Chlilischoten, Paprikapulver
6 Eier
Bergkäse
Olivenöl

Die Kartoffeln grob raspeln
mit den Kräutern, Knoblauch, Zwiebeln, Schinkenwürfeln und Gewürzen mischen
Eier und geraspelten Bergkäse darunter rühren
Die Kartoffelmasse in eine gefettete Auflaufform füllen
Bestes Olivenöl darüber gießen
Bei 200° im Ofen überbacken, bis die Tortilla goldbraun ist.
In der Form erkalten lassen und dann erst in Stücke schneiden

Wichtig: Lieber zu viel als zu wenig würzen, die Tortilla muss höllisch scharf sein, ohne dass sie einen von Innen verbrennt.