Christine Knecht Das Geheimnis des Stollens Haben Sie schon einmal Stollen gebacken? Ja! Also ich noch nie . Warum, fragen Sie? Es ist nicht so, dass ich mit dem Küchenwerkzeug nicht umzugehen wüsste und ich bringe manchmal ganz genießbare Sachen auf den Tisch , aber einen Stollen? Den Stollen umhüllt, seit meiner Kindheit, eine Aura des Unmöglichen, "nachmachen ist ausgeschlossen!" Der Stollen scheint ein Mysterium zu sein in welches ich nicht eingeweiht wurde! Im November erfolgte die Ankündigung meiner Mama, einer großen, aufopferungsvollen, geheimnisvollen Tat: "Am Wochenende backe ich Stollen"! Meine Mama schleppte Taschen um Taschen herbei, große gefüllte Taschen. Der Inhalt wurde zerkleinert gehackt, Tupperschüsselchen um Tupperschüsselchen wurden damit gefüllt. Nun kam etwas höchst lebensgefährliches, “Stroh-Rum" aus Österreich! Weil ich wohl überall naschte hat man mir sehr eindrücklich klargemacht Tödlich!!!! Die Erwachsenen fand ich aber sehr mutig, wie sie an Adventsonntagen um den dann fertigen Stollen saßen und Tee tranken, jeweils mit einem Schuss Rum in der Tasse. Aber der Stroh-Rum hatte auch seine guten Seiten, denn manchmal neigte er sich dem Ende zu (was mir sehr gefiel) denn das bedeutete dann Skifahren in Österreich. Abrupt fand die Arbeit erst mal ein Ende, der Rum kam in manche Schüsselchen, Deckel drauf und weg, nur der wundervolle Duft hing noch in der Luft. Am folgenden Tag kam die nächste Phase des Stollens backen. Wieder mit einem krönenden Abschluss-Duft. Aber dann war er weg, ich weiß nicht wo. Bis dann im Advent, feierlich bei Tee und Kerzenlicht, da gab es dann endlich den ersehnten Stollen, aber ich mochte ihn überhaupt nicht. Später als ich selber eine kleine Familie hatte, Mann, Kind, noch mal Kind, da begann die Zeremonie von vorne. Mein Mann kündigte im November eine großartiges, aufopferungsvolles und aufwendiges Ereignis an: Am Wochenende backe ich Stollen! Mit einem kleinem Unterschied zu meiner Kindheit, mein Mann kocht und bäckt, ich putze hinterher die Küche. Pflichtschuldig lieferte ich aber meine Bewunderung ab. Dabei mochte ich das Ding immer noch nicht so sehr und ging mit den Kindern Kaufladen spielen, kaufte Rosinen, Mandeln, Butter..... Natürlich war diese offensichtliche Missachtung eines Meisterwerkes ein Fauxpas, den mir meine Umwelt gleich widerspiegelte: du hast es doch gut! Wiederum ein paar Jahre später. Kind 1 war inzwischen 17 Jahre alt und kam im Sommer von seinen 1jährigen USA -Aufenthalt zurück. Im November erfolgte die Ankündung von Maximilian "ich backe für Susan (seine Gastmutter) einen Stollen!" Aber das war nicht die gewohnte Art und Weise, sie kam einer Form einer Heldentat gleich. Wir gingen zusammen einkaufen und zum ersten Mal hatte ich in Bezug auf Stollen einfach nur Spaß. Natürlich blieb das Vorhaben nicht lange verborgen vor meiner Mama und meinem Mann, denn eine Gelegenheit zur Belehrung sollte man nie ungenutzt vorüberziehen lassen: - das A und O ist das Fett, gute Butter muss es sein - im Original sind keine Eier - man kann aber Eier nehmen - Raumtemperatur aller Zutaten ist ganz wichtig Also ich fand, es ist höchste Zeit mal wieder für einen Abgang von der „Bühne des Stollens backen“ zu machen und gehe in Ruhe das Schweinderl Buch lesen Natürlich habe ich meinen Sohn gewarnt: Stollen backen ist nur den Meistern vorbehalten! Er erwiderte nur lapidar du spinnst, das kann doch jeder ! Stimmt ich hab’s gesehen das Geheimnis hat sich offenbart: Stollen backen ist nicht schwer und glauben sie keinem der ihnen was anderes vermitteln will. Bitteschön, das Rezept: Vorbereitung : 200gr Rosinen( Sultaninen) + 125 gr Korinthen in Rum über Nacht einweichen 50gr Orangeat + 50gr (Bei Wunsch auch 75 gr) Zitronat sehr fein hacken 200gr Walnüsse gemahlen + 50 gr Walnüsse grob gehackt 1 kg Mehl in eine große Backschüssel sieben, Mulde eindrücken 20 gr Hefe einbröckeln, mit 1 Tl Zucker und einem Teil von 250 ml lauwarmer Milch verrühren, ca. 15 min. gehen lassen. 1 Tl Salz (kleiner) 500 gr flüssige Butter 150 gr Zucker 2 Eigelb Schale von 2 unbehandelten Zitronen und die restl. Milch zugeben und zu einem Teig verkneten. Nochmals 15 min gehen lassen. Die Sultaninen, Korinthen, Orangeat, Zitronat, und die Nüsse unter den Teig kneten. möglichst rasch, da er bei langer Bearbeitung sonst eine schmutzig graue Farbe bekommt . Den Teig nochmals 10 oder 15 min gehen lassen. Dann einen Stollen daraus formen. Dafür zunächst jeweils eine lange Stange formen, diese mit dem Rollholz in der Mitte dünner rollen , so dass an den Längsseiten dickere Wülste stehen bleiben, den Teig zusammenklappen das bekannte Stollenform entsteht. Auf ein gefettetes Blech und bemehltes Backblech geben und wieder 15 -20n min. gehen lassen. In dieser Zeit den Backoffen vorheizen und nun ca. 1 Std. bei 190 -200 °C backen. Den noch heißen Stollen mit 100 gr flüssiger Butter bestreichen und kräftig mit Puderzucker bestäuben. |
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