Beate Köhlein Die heilige Kuh Es geht um eine Kuh. Aber nicht um eine lebendige, grasende Kuh, sondern eine kleine Tonkuh. Sie ist vielleicht fünf Zentimeter lang und drei Zentimeter hoch, braun gefleckt und steht auf einem grünen Sockel, der das frische Weidegras darstellen soll. Die Kuh ist durch ihr Alter schon sehr gekennzeichnet. Abgeschlagene Ecken, teilweise fehlt schon die Farbe und der Ton kommt zum Vorschein. Die Kuh gehört dem Rentner Toni. Er liebt diese Kuh. Und immer zur Weihnachtszeit stellt sie der 110 kg Mann liebevoll vor sich auf den Tisch und betrachtet sie andächtig. Danach kommt sie auf ihren Ehrenplatz: Zwischen den Ochsen und den Esel in der Krippe, meistens ganz nah beim Jesuskindlein. Wie oft haben sich seine Frau und seine Kinder die "Kuhgeschichte" schon anhören müssen. Jedes Jahr wieder ganz von vorne. Dass er als Siebenjähriger die Kuh damals nach dem 2. Weltkrieg anläßlich einer Kinderfeier der Amerikaner von einem Soldaten geschenkt bekommen hatte. Und dass ihn alle seine Freunde deswegen auslachten, weil sie viel größere und bessere Geschenke bekommen hatten. Wie gerne hätte Toni auch einen Leiterwagen, ein Auto oder Stofftier mit nach Hause genommen. Wie hatte er unter den Hänseleien gelitten. Beinahe andächtig erzählte er immer, wie seine Mutter die Kuh dann nahm und in die Krippe stellte um ihren Sohn zu trösten. Toni war froh, als seine Enkel endlich so groß waren, dass auch sie an Weihnachten seiner Geschichte folgen konnten. So hatte er neue Zuhörer, die nicht gleich die Augen verdrehten. Kurz: Die Kuh war an Weihnachten nicht mehr wegzudenken. Am letzten Weihnachtsfest lag Toni mit einem Hexenschuss im Bett. So konnte er den Weihnachtsbaum am Heiligen Abend nicht selbst schmücken und natürlich auch die Krippe nicht ordnungsgemäß aufbauen. Er bat seine jüngste Tochter Daniela das für ihn zu erledigen. Daniela brachte ihren Sohn, den einjährigen Simon mit, der juchzend die gesamte Weihnachtskiste ausräumte und im Wohnzimmer verteilte. Der Baum war schnell geschmückt, jetzt musste nur noch die Krippe aufgebaut werden. Daniela stellte Josef, Maria, das Jesuskindlein, den Ochs und den Esel auf, verzierte alles mit Tannenzweigen und betrachtete danach ihr Werk. Irgendetwas fehlte. "Na klar, die Kuh!" schoss es ihr durch den Kopf. Sie kramte in der Kiste, doch die Kuh war nirgends zu finden. Etwas mulmig war ihr schon zumute, aber der Vater würde eh nur auf der Couch liegen können. Am Abend war dann die ganze Familie im Wohnzimmer versammelt. Toni lag, eingebettet in seine Heizdecke, auf der Couch. Nachdem ein paar Weihnachtslieder gesungen wurden kam das Unvermeidliche: "Daniela, hast du die Kuh auch in die Krippe gestellt?" Daniela antwortete mit einem zaghaften Nicken. Sie war sich bewusst, wie ihr Vater reagieren würde, wenn die Kuh nicht an ihrem Platz stehen würde. Toni setzte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht leicht auf. "Mei, ich hab sie mir dieses Jahr noch gar nicht anschauen können. Heb doch mal kurz die Krippe hoch, damit ich sie beim Jesuskindlein stehen sehen kann." "Das geht doch nicht!" warf seine Frau ein, die bemerkt hatte, dass die Kuh fehlte. "Liegen doch die ganzen Geschenke und Tannenzweige rundherum." "Ich will meine Kuh sehen!" brummte Toni. "Dann heb sie halt schnell raus und bring sie mir." Keiner der Erwachsenen rührte sich. Nur die fünfjährige Enkelin Melanie kroch auf die Krippe zu. "Opa, deine Kuh ist ja gar nicht da!" Alle hielten den Atem an. "Nicht da?!" polterte Toni los. "Daniela hat doch gerade gesagt, sie hat sie reingestellt!" Daniela schaute ihn an: "Sie war gar nicht in der Kiste." gab sie dann zu. "Meine Kuh!" Toni klang fast weinerlich und setzte sich ganz auf. "Ich muß meine Kuh finden. Sie gehört doch zu uns dazu." Dann tappte er in den Keller, ganz langsam Stufe für Stufe. Doch die Kuh blieb verschwunden. Toni blieb den ganzen Abend unansprechbar. Keiner konnte ihn aufmuntern. Bis der kleine Simon plötzlich etwas aus seiner Hosentasche kramte und sagte: "Mama! Muh!" Toni horchte auf. "Simon, zeig mal her!" Und der Kleine hielt die Kuh von Toni fest in seinem Fäustchen. Tonis Frau schnaufte auf, auch die Töchter und Schwiegersöhne warfen sich erleichterte Blicke zu. Toni sprang von der Couch auf, als hätte ihn nie ein Hexenschuss geplagt. Er nahm Simon die Kuh aus der Hand und drückte sie an sein Herz. "So," sagte er glücklich. "Wir sind endlich vollzählig. Jetzt lasst uns Weihnachten feiern!" Rindergulasch mit Tomaten (Das darf Toni nie erfahren! ;-)) 600 g Rindfleisch waschen, abtrocknen, in Würfel schneiden 2 EL Öl erhitzen, das Fleisch gut darin anbraten 250 g Zwiebeln halbieren, in Scheiben schneiden und mitbräunen lassen. Das Fleisch mit Salz, Pfeffer, Gulaschgewürz würzen. 400 g Tomaten aus der Dose und 375 ml heißes Wasser hinzufügen, das Fleisch gar schmoren lassen. Ewas Mehl mit kaltem Wasser anrühren, das Gulasch damit binden. Mit Salz, Paprika edelsüß, 1 2 Spritzer Tabascosoße abschmecken. Schmorzeit 1 1,5 Stunden. Gutes Gelingen und guten Appetit! |
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