Brigitte Hieronimus Von Äpfeln und nicht ganz so dummen Nüssen Eva hat das Leiden satt. Mit vollem Mund greift sie zum Telefon. Adam hat schließlich immer betont, dass sie ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen könne. Sie schaut auf die Uhr, es ist bereits kurz vor Mitternacht, egal, sie kaut am Keks, dessen aufgeweichte Reste immer noch zwischen ihren Backentaschen kleben. Bittermandelaroma vermischt ihren Speichel zu einem Einheitsbrei, als sie endlich die störenden Krümel aus den Zähnen gepuhlt hat. Sie weiß, wie dämlich das aussieht, denn das hat sie früher an ihrem Freund abgestoßen, dieses Hervorwölben der Zunge, die sich mit aufreizender Langsamkeit durch jede einzelne Zahnlücke schob, Lippen und Wangen blähten sich auf wie ein Ballon, um nach Beendigung der Aufräumarbeit, abrupt einzufallen. Da wo vorher die Zunge war, blieb ein schlaffer Hautlappen zurück. Aber am meisten hat sie es damals gehasst, wenn er etwas trank. Das war nicht zum Anschauen. Sein Adamsapfel drückte sich bei jedem Schluck stoßweise wie ein Tennisball durch die Truthahnkehle und rollte wie eine Billardkugel hinab. Na ja, heute weiß sie, dass ihr das Leben, das sie führte, nicht mehr gefiel. Eines Tages hatte sie einfach aufgehört, zu lieben, und knipste rigoros das Licht in ihrem Herzen aus. Erst als er aus ihrer Wohnung ausgezogen war, begann dieses Licht wieder zu flackern, erst zart und verhalten, doch schon nach wenigen Monaten leuchtete es beständig wie der Komet am Bethlehemhimmel. Adam wurde plötzlich wieder reizvoll für sie, sie sah ihn mit fremden Augen, und Gott sei Dank, war er ihr treu geblieben. Der Schuss hätte auch nach hinten losgehen können, denn auf Adam hatten es längst einige ihrer Freundinnen abgesehen. So einen Mann setzt man doch nicht einfach vor die Tür, meinten sie entsetzt, weil sie Männer zu Hause hatten, die sich in einem bestimmten Radius durch die Wohnung zu bewegen schienen. Kühlschrank, Sofa und PC, oder Keller, Garten und Garage. Samstags wurde dem Auto liebevoll über die Rundungen poliert, während der Hund mehr Streicheleinheiten bekam als verdient. Mit dem Rennrad sauste man Konflikten davon oder lief Marathon, um den häuslichen Frust zu überstehen. Das eheliche Bett streiften sie fast nie und wenn, dann fielen sie höchstens über das Kissen her, stopften es sich unter ihre müden Häupter und schnarchten auf der Stelle ein. Ja, so einen Mann wie Adam, den hätten sie gar zu gerne gehabt. Einer der am Tisch sitzen bleibt, nickend zuhört und jeden Abend kocht. Einer der über den Markt schlendert und unverhofft zum Sektfrühstück einlädt. Einer der weiß, welche Blumen und welche Musik Frauen mögen, der seine Schuhe sorgfältig abstreift, bevor er sie vor der Tür auszieht, seine Socken nach dem Waschen sortiert, und die Klamotten nicht überall liegen lässt. Einer, der im Armani Anzug ins Tanztheater und anschließend ins Vier-Sterne Restaurant lädt. Einer, der mit seiner Männlichkeit nicht weiter stört. Harmonisch und freundlich. Einfühlsam und adrett. Wie eine Frau eben. Was die Freundinnen nicht wussten, war der Tatbestand, dass Adams Lust sich immer mehr auf die Erotik des Essens beschränkte. Statt an Eva fummelte er lieber an Rosenkohlknospen herum und geriet in Verzückung, wenn es ihm gelang ein schäumendes Calvados Sößchen im richtigem Timing über die Perlhuhnbrust zu gießen. Geradezu in Extase brachte ihn eine mit Pflaumen gefüllte Ente oder Venusmuschelsalat aus der Austernschale geschlürft. Natürlich war das alles ganz nett. Und manchmal verknüpfte er sein kleines Menü durchaus mit einem neckischen Dessert, über das sie ausgehungert herfielen und sich in zehn Minuten einverleibten. Doch genau das machte Eva auf Dauer einsam und fett. Erst als sie ihn aus der Wohnung verabschiedete, nahm sie an den richtigen Stellen ab und danach an den passenden Stellen wieder zu. Aus diesem Grund entschied sie, nachdem sie sich diätvoll angenähert hatte, nie mehr mit Adam zusammen zu ziehen, sondern ihre Zweisamkeit in getrennten Räumen zu genießen. Anfänglich war er nicht dafür zu begeistern, sah aber ein, dass es der klügere Weg war, wollte er Evas Liebeslust zurück gewinnen. Denn das sah er inzwischen ein, ein lebendes Täubchen im Bett war wirklich netter, als ein totes im Süppchen. So trafen sie sich jeden Samstagabend zum gemeinsamen Kochen, immer abwechselnd in der Wohnung des anderen, bruzzelten und schmorten, backten und dünsteten, deckten den Tisch festlich ein, schlemmten sich durch die Nacht, und schliefen lustvoll zusammengerollt wie Rosinenschnecken ein. Sonntagmorgen knabberten sie sich durch den Tag und schickten sich am späten Nachmittag mit vollen Bäuchen und Herzen nach Hause. So gefiel es Eva. So gefiel es Adam dann auch. Das Telefon klingelt sich durch die Nacht. Adams Stimme klingt verschlafen, er sei vor dem Fernsehen eingeschlafen, räuspert er sich, und es dauert eine Weile, bis er munter genug ist, damit er sich freuen kann und erfährt, was Eva diesmal von ihm will. "Willst du mal eins meiner Äpfelchen probieren?", säuselt sie ihn an und hört ein verhaltenes Grunzen. "Hab sie extra für dich poliert, komm näher, sie duften ... " lächelnd räkelt sie sich in ihrem roten Samtsessel und zwirbelt an den Fransen des Kissens, auf dem sie sitzt. "Ich benötige eine neue Füllung, hast du etwas Besonderes für mich?", seufzt sie und registriert den schneller werdenden Atem an ihrem Ohr, während sie das Kissen zwischen ihren Beine hervor zieht und beginnt, sich mit den Fransen zu streicheln. "Was hältst du von Nüssen, am besten diese runzligen Baumnüsse, die sich so angenehm von einer zarten Hand wie deiner, pflücken lassen?", lacht er leise, was sie veranlasst an den Knöpfen ihrer Jeans zu spielen. Am anderen Ende der Leitung wird es still, sie weiß, dass Adam sich jetzt das Shirt auszieht, um den Hörer auf seine nackte Brust zu legen, damit sie sein Herzklopfen hören kann. Glucksend macht auch sie sich frei. Nach einer halben Stunde hat sie ein heißes Ohr. Befriedigt legt Eva den Hörer auf, knöpft ihre Jeans zu, schüttelt das Kissen ordentlich auf, streicht belustigt über die zerrupften Fransen, schnappt sich den nachtblauen BH der an der Sessellehne baumelt, und löscht das Licht. Auf leisen Sohlen schleicht sie ins Bad, zieht sich im Dunkeln aus, putzt den hartnäckigen Rest der gemahlenen Nüsse aus den Zähnen, und verhüllt ihren zarten Körper mit Adams flauschigen Morgenmantel. Vorsichtig öffnet sie die Tür zu ihrem Schlafzimmer, huscht ans Fenster und schiebt den Vorhang beiseite. Wintersterne glitzern um die Wette. Der Mond saugt an seiner Pfeife, während sich die Engel der Nacht verflogen haben. Einer landete im Himmelbett. Mit wiegenden Hüften geht sie darauf zu und wird von warmen Händen unter die Decke gezogen. Gurrend schmiegt sie sich an einen vertrauten Körper, während ihre Hände abwärts wandern und behutsam nach Adams baumelnden Nüsschen greifen. Winterbratapfel mit Nussfüllung 4 kleine rote Nikolaus Äpfel 1 Tüte gemahlene Haselnüsse oder eine Handvoll frischer Baumnüsse (Walnüsse) knacken und fein hacken 1 Paket Rohmarzipan Zimt, Kardamom, Nelken nach Geschmack (gemahlen) Amarettolikör 1-2 Becher Creme fraiche Nüsse mit Marzipan, Gewürzen, Amaretto und Creme fraiche verkneten und in die ausgehölten Äpfel füllen diese in eine gebutterte Form legen auf jeden Apfel ein Klecks Creme fraiche geben und bei 150° im Backofen hellbraun backen Dazu passt Vanillesoße oder Krokanteis |
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